-  Stadtarchiv Wismar
 -  Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803
 -  16.: 1. Kläger P
Prozeßakten des Tribunals 1653-1803 - 16. 1. Kläger P
271 Gerichtsakten   1   -   10   »

Datierung

Signatur

Prozessgegenstand


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2397
Prozessgegenstand: Mandatum de restituendo Auseinandersetzung um Verletzung des Bürgervertrages
Alte Signatur: Wismar P 5 (W P 1 n. 5)
Laufzeit: (1657) vor 09.09.1657-05.11.1658
Fallbeschreibung: Peters ist aufgefordert worden, für seinen vor einem Jahr aus der Stadt ausgewanderten Bruder Hermann die rückständigen Steuern und Abgaben für ein seitdem unbewohntes Haus in der Böttcherstraße zu bezahlen, verweigert dies jedoch, beschimpft den zuständigen Ratsherren und verweist den Rat an seinen Bruder. Nachdem er dem Arrest, mit dem ihn der Rat bis zur Zahlung von 20 Rtlr belegt hatte, entgehen konnte, werden ihm aus seinem Haus Einrichtungsgegenstände gepfändet. Dieses Vorgehen verstößt gegen den Wismarer Bürgervertrag, da der Rat ohne ordentliches Verfahren gegen ihn vorgegangen ist und er keine Gelegenheit hatte, seinen Standpunkt darzulegen. Er bittet das Tribunal, den Rat aufzufordern, ihm die abgenommenen Sachen zurückzugeben. Das Tribunal folgt dem Antrag am 11.09. und fordert Bericht vom Rat an. Dieser argumentiert am 28.09. damit, daß Kl. seinen Bruder auch in allen anderen Angelegenheiten vertritt und daher zur Steuerzahlung herangezogen wurde. Rat bittet, Kl. zur Steuerzahlung aufzufordern und die Pfänder solange in Beschlagnahme zu belassen. Vor dem 09.01.1658 verwahrt sich Kl. ausführlich gegen diese Forderung und bittet, den Wismarer Rat aufzufordern, sich nach dem Bürgervertrag zu richten und gegebenenfalls den Fiskal anzuweisen, darauf zu achten, daß dieser Vertrag eingehalten wird. Das Tribunal weist den Rat am 09.01. zur Antwort an. Vor dem 02.03. bittet Kl. darum, ein Urteil zu sprechen, da Bekl. nicht auf das Mandat des Tribunals reagiert haben, das Tribunal setzt Rat am 02.03. eine 14tägige Frist zur Erwiderung. Am selben Tag verteidigt der Rat sein Vorgehen als rechtmäßig und durch den Bürgervertrag gedeckt und bittet erneut, Kl. zur Steuerzahlung für seinen Bruder und zum Respekt gegen Rat anzuweisen. Daraufhin schließt das Tribunal am 06.03. die Beweisaufnahme und weist den Rat am 18.10.1658 an, die gepfändeten Dinge an Kl. zurückzugeben und verweist den Rest des Falles zurück ans Ratsgericht
Prozessbeilagen: (7) Schreiben des Kl.s an den Rat (o.D.); von Kl. vorgelegte "Articuli Probatorii"; Übergabebescheinigungen des Tribunalspedellen Christoph Haveman für Mandate vom 12.09.1657 und 18.01.1658; Protokolle der Zeugenbefragung Heinrich Tanckes und Jacob Grotjohanns durch Gerichtssekretär Joachim Morhoff vom ??.??.1657; Zeugenaussagen des Jacob Grotjohann und Hinrich Tancke vor dem Wimarer Rat vom 11.03.1657; Kommissionsbericht der Ratsherren Caspar Trendelenburg und Christoph Gröning d.Ä. vom 07.09.1657; Protokoll der Gerichtssitzung vom ??.??.1657; von Notar Johannes Rödingk aufgenommene Aussagen des Marten Scheffel vom 10.09. und 04.12.1657; Aussage des Johannes Köppe zu Wismar vom 20.11.1657; von Notar J. Rödingk aufgenommene Aussage des Kl.s über ein Gespräch mit Ratsherr Marcus Burmeister vom 04.12.1657 sowie von Rödingk aufgenommene Aussagen des Christoph ?, "Monitor" der St. Nikolai Geistlichen Hebung vom 05.12.1657 und der Ehefrau des Daniel Reymers vom 09.11.1657
Instanzenzug: 1. Tribunal 1657
Kläger: (2) Harding Peters, Brauer zu Wismar
Beklagter: Bürgermeister und Rat zu Wismar
Anwälte: Kl.: Dr. Hinrich Schabbel (A & P) Bekl.: Dr. Henning Christoph Gerdes (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2397


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2430
Prozessgegenstand: Querulationis Auseinandersetzung um Aufteilung eines Erbes
Alte Signatur: Wismar P 37 (W P 2 n. 37)
Laufzeit: (1661-1665) vor 09.03.1668-06.07.1671
Fallbeschreibung: Vor seinem Tode hatte der Gewürzkrämer Zacharias Schnor versprochen, den Kl.n namhafte Legate zuzueignen, die er in seinem Grundgeheimbuch, ergänzend zu seinem Testament, vermerkt habe. Nach dem Tode Schnors fordern Kl. von dessen Witwe die Vorlage des Buches, das diese als ein leeres Manuskript vorlegt. Dagegen klagen Kl. vor dem Konsistorium und nachdem dieses mangels Beweisen die Bekl. davon befreit hat, weitere Erbstücke an Kl. zu übertragen, querulieren sie an das Tribunal. Am 09.03. berichtet der Wismarer Rat auftragsgemäß über das strittige Testament des Zacharias Schnor. Das Tribunal fordert daraufhin am 10.03. Bürgermeister Schabbelt, Notar Röding und Anwalt Petersen auf, alles, was sie über das Testament wissen zu berichten. Am 14.03. berichtet Notar Röding über Aussehen und Inhalt verschiedener von Schnor aufgesetzter Testamente, am 04.04. fordert das Tribunal weitere Nachrichten von Bürgermeister Schabbelt. Am 06.05. fordern Kl., den Notar Gottfried Reichardt zur Vorlage des Testamentsentwurfs zu veranlassen und erreichen ein entsprechendes Mandat am 08.05. Am 26.05. präsentiert Dr. Schabbelt dem Tribunal das "Grundgeheimbuch" Schnors, aus dem Kl. Aufschluß über das wahre Vermögen des Verstorbenen erhoffen. Am selben Tag reicht Lic. Thurmann ein Gutachten über das strittige Testament Schnors ein, am 22.06. bezweifeln Kl. die Echtheit des vorgelegten, leeren Buches und fordern die Vorladung von Zeugen. Am 22.06. fordert das Tribunal Bekl. zur erneuten Vorlage des Buches und Dietrich von der Fehr zur Begutachtung des Buches auf. Am 03.07. legt Bekl. zwei Quittungen ihres verstorbenen Mannes zur Schriftprobe mit dem Buch vor, verwahrt sich gegen die Unterstellungen der Kl. und bittet, sie mit eventuellen Eidesforderungen zu verschonen. Am selben Tag erscheint Dietrich von der Fehr, kann das vorgelegte Grundgeheimbuch aber nicht zweifelsfrei als das Schnors identifizieren. Am 21.07. bittet Bekl. die Kl. aufzufordern, keine weiteren Forderungen an sie zu stellen. Am 08.08. bezweifeln Kl. erneut die Aussagen der Bekl. und die Echtheit des Buches. Sie fordern die Vorlage des richtigen Buches und legen Artikel für Zeugenbefragung vor. Das Tribunal fordert Bekl. am 10.08. zur Erwiderung auf, am 02.09. ergänzen die Kl. ihre Verhörartikel. Am 07.09. beteuert Bekl. ihre Unschuld, lehnt aber einen Eid ab und bittet, die Assessoren Friedeborn und Lofeldt als Kommiaare für das Zeugenverhör zu benennen. Das Tribunal beauftragt die Assessoren am selben Tag entsprechend und fordert Erklärung der Kl. Diese bitten am 15.09. um Beiordnung des Assessors Schlüter zur Kommission, die ihnen am selben Tag gewährt wird. Am 26.09. bringt Bekl. zusätzliche Zeugen bei, am 14.12. legen die Parteien die Verhörprotokolle vor und erbitten Termin zu Eröffnung. Das Tribunal setzt diesen am 20.01.1669 auf den 27.01. an. Am 14.12.1668 legen die Assessoren Schlüter, Friedeborn und Lofeld ihre Verhörprotokolle vor, am 01.03.1669 bitten Kl. um Verkündung des Urteils, nachdem Bekl. ihren Eid geleistet hat, am selben Tag fordert das Tribunal Bekl. zur abschließenden Erwiderung auf, die am 17.04. eingeht und in der Bekl. darum bittet, ihr den Eid zu erlassen. Das Tribunal fordert die Kl. am 20.04. zur abschließenden Stellungnahme auf, die am 06.05. ein Urteil erbitten. Nachdem Bekl. sich dem am 03.06. anschließt, schließt das Tribunal am 04.06. die Beweisaufnahme. Am 24.01.1670 verurteilt das Tribunal Bekl. zur Eidesleistung, daß sie kein anderes "Grundgeheimbuch" als das vorgelegte kenne. Am 22.10. fordern Kl. die Abstattung des Eides, am 01.11. lädt das Tribunal Bekl. auf den 15.11.1670 vor. Nachdem sie den Eid geleistet hat, spricht das Tribunal sie am 03.07.1671 von der Forderung der Bekl. frei, das "Grundgeheimbuch" vorzulegen.
Prozessbeilagen: (7) Entwurf des gemeinsamen Testaments von Zarachias Schnor und Eva Drewes (o.D.); Quittungen Zacharias Schnors vom 24.10.1661 und 02.12.1665; Articuli Probatorii vom 08.08.1668 mit Ergänzungen vom 02. und 26.09.1668; Auszüge aus dem Testament Schnors (o.D.); Articuli Defensionales der Bekl. vom 07.09.1668 mit Ergänzungen vom 26.09.1668; Kommissionsprotokoll vom 14.12.1668 mit Protokoll der Befragung von Gerhard Schlaff, Johann Gottlieb Ackermann, Jochim Lehmann, Mathias Böckel, Dietrich Johann von der Fehr, Franz Herbst, Johann Röding, Johann Holweg, Hermann Werner und Jochim Gercke sowie des Christoph Gröning, Daniel Mobe, Christoph Bockhäuser und Gerhard Schlaff; Eidesformel für Bekl.
Instanzenzug: 1. Konsistorium 1668 2. Tribunal 1668-1671
Kläger: (2) sämtliche Pastoren und Prediger der Stadt Wismar (Kl. in 1. Instanz)
Beklagter: Lucretia Schlaff, Ehefrau des Dr. Heinrich Friedrich Schabbel, Witwe des Zacharias Schnor (Bekl. in 1. Instanz)
Anwälte: Bekl.: Dr. Heinrich Friedrich Schabbel (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2430


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 0276
Prozessgegenstand: Appellationis Auseinandersetzung um das Backrecht
Alte Signatur: Wismar B 166 (W B 5 n. 166)
Laufzeit: (1581-1719) 14.10.1719-12.11.1721
Fallbeschreibung: Kl. wehren sich gegen die Übertragung des Backrechts vom Haus der Witwe Johann Schüttes auf ein Haus in der Dankwartstraße, das Bekl. gekauft hat. Sie klagen vor dem Rat gegen den Aufbau eines Backofens in diesem neuen Backhaus und berufen sich auf alte Rechte und bisherige Rechtsprechung durch Rat und Tribunal, werden vom Rat aber abgewiesen, weshalb sie an das Tribunal appellieren. Am 17.10. fordert das Tribunal den Bericht des Rates an und erhält diesen am 25.11., worin der Rat den Kl.n jede Ursache zur Appellation abspricht und auf eigene Rechte verweist. Am 12.12. fordert das Tribunal die Akten der Vorinstanz an, am 14.12. teilt Rat mit, daß diese bereits im Tribunalsarchiv seien, bittet aber darum, den Prozeß wegen Unerheblichkeit abzulehnen. Am 15.12. urteilt das Tribunal, der Rat dürfe dem Transfer des Backrechts nicht zustimmen, bevor die Klage der Witwe Johann Schüttes gegen Paris nicht entschieden sei. Am 23.12.1719 erbitten Kl. den Abriß des rechtswidrig erbauten Backofens und erhalten ein entsprechendes Mandat am selben Tag. Am 07.01.1720 teilt Bäckeramt mit, daß Kl. vor seinem Haus Brot verkauft, beschwert sich darüber, daß Ofen nicht abgerissen worden ist und erbittet Durchsetzung der Tribunalsmandate. Am 24.01. berichtet Ratsherr Vogt vom Abriß des Ofens, am 29.01. erweitern die Bäcker Jacob Jürs, Jürgen Behm und Christoph Lesche die Appellation und bitten darum, den Transfer des Backrechts zu untersagen, da sie in Nachbarhäusern bereits Bäckereien unterhielten und Einkommensverluste befürchteten. Das Tribunal weist Rat am 14.02. an zu verhindern, daß Bekl. vor seinem Haus Brot verkaufe und teilt Bekl. die Einwände der Kl. mit. Dieser ergreift am 20.02. restitutio in integrum gegen das Tribunalsurteil, bittet, ihm das Backen zu gestatten und ihm nicht die Existenzgrundlage zu entziehen und die Entscheidung wegen der schwachen personellen Ausstattung des Tribunals an eine Juristenfakultät zu übertragen. Das Tribunal weist dies am 26.02. zurück, da in der Hauptsache, dem Transfer des Backrechts noch nicht entschieden sei. Am 12.03. appelliert Bekl. erneut dagegen und bittet, ihm wenigstens Brotverkauf zu erlauben, das Tribunal fordert Kl. am 15.03. zur Antwort auf. Am 16.03. bitten Kl. um Beschlagnahme des von Bekl. verkauften Brotes, am 27.05. verwahren sich Kl. gegen erneute Appellation und erbitten Durchsetzung der Tribunalsmandate. Am 31.05. fordert das Tribunal Erklärung vom Bekl., ob er den Prozeß fortsetzen oder sich dem Urteil unterwerfen wolle, es erneuert seine Aufforderung an den Rat zur Einsendung der Akten der Vorinstanz. Am 17.08. und 27.11.1720 beschweren sich Kl. darüber, daß die Erklärung des Bekl. noch ausstehe und erbitten Vollstreckung der Tribunalsmandate. Am 22.03. und 22.10.1721 erbitten sie Prozeßbeschleunigung beim wiedereingerichteten schwedischen Tribunal und Ansetzung eines neuen Termins für Bekl., um sich zum Fortgang des Prozesses zu äußern. Am 28.10. bittet Bekl. darum, einen neuen Backofen bauen zu dürfen, am 11.11.1721 gestattet das Tribunal dies, verspricht aber, die Zahl der Losbäcker einzuschränken.
Prozessbeilagen: (7) Ratsgerichtsurteile vom 11. und 15.09., 11.10., 19. und 20.12.1719; von Notar Philipp Heinrich Pladecius aufgenommene Appellation vom 21.09., 29.12.1719 und 11.03.1720; Auszug aus Wismarer Appellationsrezeß vom 12.12.1581; Auszug aus Huldigungsrezeß vom 14.06.1653; Ratsgerichtsprotokoll vom 16.08.1719; vom Tribunal erteilte Lizenz zum Losbacken für Bekl. vom 01.08.1704; Kaufvertrag über Backhaus in Lübscher Str. zwischen Johann Schütt und Bekl. vom 01.12.1704; Schreiben von Bürgermeister und Rat von Wismar an Tribunal vom 21.11.1687; von Tribunalspedell Jürgen Müller ausgestellte Übergabequittungen für Mandate vom 28.12.1719, 24.02. und 01.06.1720
Instanzenzug: 1. Ratsgericht 1719 2. Tribunal 1719-1720 3. Tribunal 1720-1721
Kläger: (2) Amt der Fastbäcker zu Wismar (Bekl. in 1. Instanz)
Beklagter: Jacob Detlef Paris, Losbäcker zu Wismar (Kl. in 1. Instanz)
Anwälte: Kl.: Dr. Cajus Matthias Arend (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 0276


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2522
Prozessgegenstand: Supplicationis Auseinandersetzung um Auszahlung eines Erbes
Alte Signatur: Wismar P 90 (W P 4 n. 90)
Laufzeit: (1602-1707) 09.02.1707-01.07.1707
Fallbeschreibung: Der Onkel des Kl.s, Christian Pagenkop, Subrektor der Wismarer Stadtschule, ist verstorben. Bekl. weigern sich, Kl. das Erbe auszuliefern, sondern fordern Beweise für seine Berechtigung, außerdem ein Inventar der Erbschaft und die Zahlung des Zehnten bei Ausfuhr aus der Stadt. Kl. moniert, daß die Güter seines Onkels immer steuerfrei gewesen sind und er daher nicht mit der Erbschaftssteuer belastet werden könne. Außerdem sei sein Vater der einzige leibliche Erbe des Verstorbenen, so daß kein Inventar erstellt werden müsse. Als Pastor in Bobbin auf Rügen sei er ohnehin von Erbschaftssteuern befreit. Kl. bittet daher um ein Schreiben an Bekl., ihm das Erbe zügig folgen zu lassen. Am 16.02. fordert das Tribunal Bekl. auf, dem Kl. das Erbe auszuhändigen oder ihre Gegenargumente binnen 8 Tagen vorzutragen. Am 25.02. beharren die Bekl. auf ihrem alten Recht, Abschoß von ausgeführtem Erbe zu fordern und belegen dieses königlich verbriefte Recht. Das Tribunal fordert daraufhin den Kl. am 01.03. zur Gegendarstellung auf, erhält diese am 16.03. und verlangt am selben Tag Stellungsnahme der Bekl. Diese teilen am 13.05. mit, daß Kl. das Erbe mittlerweile ohne Besteuerung ausgezahlt worden sei. Am 28.06. tragen sie nach Bitten um Fristverlängerung vom 26.03. und 13.05., die am 04.04. und 14.05. positiv beschieden worden waren, ihren Standpunkt in der Sache vor, um für ähnliche Fälle Präzedenz zu schaffen. Am 01.07. teilt das Tribunal dem Kl. die neuen Argumente mit und erkennt den Aktenschluß. Ein Urteil ist nicht überliefert.
Prozessbeilagen: (7) Suppliken des Kl.s an den Rat vom 06. und 08.01.1707; Bestätigung des Amtsinspektors Johann Schütze auf Spycker über die Familienverhältnisses des Daniel Pagenkop, Pastor in Bobbin vom 20.01.1707; Vollmacht Daniel Pagenkops an seinen Sohn, den Kl., vm 19.01.1707; Ratsgerichtsurteil vom 10.01.1707; von Notar Johannes Schade aufgenommene Appellation vom 19.01.1707; Abstammungszeugnis für Daniel Pagencop vom Rat der Stadt Bergen vom 28.01.1707; Auszüge aus den Kämmereihauptbüchern vom 17.02.1685, 01.07.1692 und 12.05.1696; Schreiben Karls XI. an das Tribunal wegen des Abschosses vom 24.01.1684; Vollmacht des Kl.s für Dr. Gerdes vom 18.03.1707; Auszug aus dem Wismarer Bürgervertrag von 1602; Bestätigung der Wismarer Konsistorialordnung durch Tribunalspräsident Bengt Oxenstierna vom 03.04.1667 und Kgl. Bestätigung vom 14.10.1670; Auszug aus Kgl. Resolution vom 24.01.1684; Auszug aus Kämmereihauptbüchern 1602-1707; Auszug aus dem Vergleich zwischen Wismarer Rat und Bürgerschaft vom 03.05.1681
Instanzenzug: 1. Tribunal 1707
Kläger: (2) Joachim Christian Pagenkop, Theologiestudent
Beklagter: Bürgermeister und Rat zu Wismar
Anwälte: Kl.: Dr. Jacob Gerdes (A & P) Bekl.: Dr. Friedrich Wagner (A), Dr. Christoph Gröning (P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2522


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2391
Prozessgegenstand: Mandatum restituendo et inhibitorium Auseinandersetzung um eingeschränkte Gewerbefreiheit
Alte Signatur: Wismar P 4 (W P 1 n. 4)
Laufzeit: (1626-1661) 29.08.1661-21.09.1661
Fallbeschreibung: Die Kohlenmesser haben auf Veranlassung der Bekl. Brot im Wert von 7 Rtlr aus den Brotscharren der Kl. beschlagnahmt und ihnen den künftigen Verkauf verboten. Kl. bitten das Tribunal, die Bekl. zur Rückgabe des Brotes aufzufordern und ihnen künftige Aktionen gegen sie zu verbieten. Das Tribunal fordert Bekl. am folgenden Tag zum Bericht und zur Beachtung der Privilegien der Kl. auf. Dieser erfolgt am 21.09., am 24.09.1661 erhalten Kl. Kopie davon, weiteres erhellt nicht.
Prozessbeilagen: (7) Bericht der Deputierten zur Kämmerei vom 13.09.1661; Auszug aus dem Hauptbuch der Kämmerei vom 30.10.1660; Schreiben Paul Paries an Rat zu Wismar vom 19.05.1656; Ratsdekret vom 11.08.1626 für den Weißbäcker Bastian Tedell; Kämmereiprotokoll vom 11.12.1660, Tribunalsmandat vom 15.02.1661
Instanzenzug: 1. Tribunal 1661
Kläger: (2) Heinrich Ballschmieter und Paul Paries, Loos- und Freibäcker in Wismar
Beklagter: Caspar Trendelburg und Christoph Gröning, Kämmereiherren zu Wismar
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2391


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2506
Prozessgegenstand: Supplicationis Auseinandersetzung um die Bezahlung von Steuern und Abgaben
Alte Signatur: Wismar P 85 (W P 4 n. 85)
Laufzeit: (1637-1703) 20.11.1703-09.06.1705
Fallbeschreibung: Kl. haben bis zur Übernahme des Amtes durch den Bekl. die Tribunals- und Konsistorialsteuer unter sich eingesammelt, dem Tribunal übergeben und eine Quittung dafür erhalten, Überschüsse wurden für Brückenbau und Reparatur der Wege auf Poel zurückgelegt. Seitdem Bekl. das Amt übernommen hat, erhalten sie weder eine Quittung noch Aufschluß über Verwendung der Überschüsse, stattdessen werden sie zur Reparatur der Wege und Brücken gesondert veranlagt. Neuerdings bedroht Bekl. Kl. mit Vollstreckung und fordert sie auf, ihre Steuer separat bei ihm zu bezahlen und nicht gesammelt bei ihm einzuliefern. Dagegen wehren sich Kl. und bitten, die Steuer wie vordem abliefern zu dürfen. Sie bitten das Tribunal, den Bekl. zur Rechnungslegung über die Überschüsse aufzufordern und ihn anzuweisen, sie mit der Vollstreckung zu verschonen. Das Tribunal fordert den Bekl. am 30.11. zur Gegendarstellung auf und erhält dies auch nach einer erneuten Eingabe der Kl. vom 27.11. aufrecht. Dieser lehnt am 14.12. alle Vorwürfe ab, besteht auf seinem Recht der Steuereintreibung, das er seit mehr als 10 Jahren wahrnimmt und fordert die exemplarische Bestrafung der widerspenstigen Dorfschulzen. Das Tribunal fordert die Kl. am 15.12.1703 zur Beantwortung auf. Gegenseitige Stellungnahmen ergehen am 22.03. und 02.04.1704, bevor am 07.04.1704 ein nicht überliefertes Urteil des Tribunals ergeht, gegen das die Kl. am 12.05. restitutio in integrum einlegen und neue Beweise vorlegen, die vom Tribunal geprüft und dem Bekl. mitgeteilt werden. Dieser bittet am 10.07. um Fristverlängerung, die er am 15.07. erhält. Am 04.09. wendet sich Bekl. gegen eine zwischenzeitlich von Kl. erbetene Fristverlängerung, am 08.09. fordert das Tribunal Kl. zurAntwort binnen 14 Tagen auf. Am 06.10. beschwert sich Bekl., daß Dr. v. Bremen ein bereits im März angefordertes Dokument nicht beigebracht habe und bittet, ihn dazu anzuweisen und ihm selbst 6 Wochen Fristverlängerung zu gewähren. Das Tribunal weist Dr. v. Bremen am 05.11. entsprechend an, am 13.11.1704 folgt Dr. v. Bremen dem Mandat. Am 05.03.1705 bitten die Kl. darum, einen Fall, in dem sie 1684 als Kl. gegen den Amtmann aufgetreten sind, in die Urteilsfindung einzubeziehen, da dieser zeigt, daß sie zu hoch und für Grundstücke, die der Amtmann nutzt, zur Steuerzahlung herangezogen werden. Bekl. weist dies am 15.05.1705 zurück, wirft den Kl.n vor, den Prozeß nur verschleppen zu wollen und bittet um ein Urteil in der Sache. Der Ausgang des Falles erhellt nicht.
Prozessbeilagen: (7) Plan für die Verteilung der Tribunals- und Konsistorialsteuer im Amt Poel von 1703; Prozeßvollmacht der Kl. für Adam von Bremen (o.D.); Tribunalsmandate an verschiedene Amtmänner auf Poel vom 14.11.1673, 08.01.1667, 28.10.1671, 30.10.1671; Aussage J.F. Speckiens vom 25.04.1704; Aufstellung über steuerbare Hufen auf Poel, darauf wohnende Kätner und Büdner und deren Steuerzahlung; vom Bekl. genutzter Steueranschlag; Auszug aus den Akten der Schweriner Justizkanzlei in Sachen Lorenz Schultz und dessen Erben vs. den Amtmann auf Poel wegen Einräumung eines Hofes vom 21.01.1637; Schreiben Margarethe Severins, Witwe des Franz Schultz an Adolf Friedrich, Herzog v. Mecklenburg vom 08.04.1647; herzogliches Schreiben an Jochim Gercken, Küchmeister zu Poel vom 09.04.1647; Tribunalsurteil vom 09.07.1683; Aufstellung über Beleidigungen Steebs gegenüber den Kl.; Schreiben der Kl. an Bekl. vom 22.03.1704; von Tribunalspedell Johann Erhard Ries ausgestellte Übergabequittung für ein Tribunalsmandat vom 05.09.1704; Verpflichtung der Poeler Hausleute zur Besoldung eines Amtsrichters vom 21.12.1703; Schreiben Dr. v. Bremens an Kgl. Hof in Stockholm vom 07.03.1704 und an die Kgl. Kammer in Stockholm vom 14.12.1703, 07.01. und 18.02.1704; Vertragsangebot des Key Christian Walter über die Pacht des Kaltenhofes vom 08.12.1703; Tribunalsurteil vom 13.10.1673; Mitteilung des Oberst von Palmquist wegen Verpachtung der Poeler Windmühle vom 20.01.1704; Schreiben Jochim Ernst von Bernstorffs an Oberst Palmquist vom 06.02.1704; Entwurf des Pachtvertrages über die Windmühle; Tribunalsurteile vom 05.02. und 01.09.1684; Auszug aus Kgl. Resolution zur Verarrhendierung der Domänen vom 29.01.1697
Instanzenzug: 1. Tribunal 1703-1704 2. Tribunal 1704-1705
Kläger: (2) sämtliche königlich-schwedischen Untertanen des Amtes Poel
Beklagter: Johann von Steeb, Oberkommissar über die Ämter Poel und Neukloster
Anwälte: Kl.: Dr. Adam von Bremen (A & P) Bekl.: Johann Jakob Lauterbrunn (A), Dr. Joachim Köckert (P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2506


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2416
Prozessgegenstand: Supplicationis, ab 18.10.1666 Mandatum poenale Auseinandersetzung um verbotene Kornausfuhr
Alte Signatur: Wismar P 24 (W P 2 n. 24)
Laufzeit: (1641) 27.08.1666-19.10.1666
Fallbeschreibung: Bekl. fordert die Zahlung der Pachtgelder außerhalb der üblichen Zeit und verbietet, bis die Zahlung erfolgt ist, jegliche Kornausfuhr von Poel. Kl. bitten, den Bekl. anzuweisen, sie nicht beim Verkauf ihres Korns und anderer Güter zu stören und mit der Pacht bis Michaelis zu warten. Am folgenden Tag ergeht ein entsprechendes Mandat an den Bekl., der sich am 18.10. wehrt, er habe den Kl.n das Saatkorn vorgestreckt und habe zunächst nur dieses zurückgefordert. Er bittet das Tribunal um ein Mandatum poenale an die Kl., das Korn nicht zu exportieren, bevor sie nicht ihr Saatgetreide zurückgegeben und ihre Pacht bezahlt haben. Das Tribunal läßt am 19.10.1666 eine Kopie an die Kl. ausfertigen.
Prozessbeilagen: (7) Schreiben Adolf Friedrichs, Hz.s von Mecklenburg-Schwerin an Poeler Bauern vom 06.12.1641
Instanzenzug: 1. Tribunal 1666
Kläger: (2) Untertanen und Bauern auf Poel
Beklagter: Georg Paul Hannolt, gräfl. Steinbergscher Amtmann auf Poel
Anwälte: Kl.: Lic. Johann Thurmann (A & P) Bekl.: Dr. Henning Christoph Gerdes (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2416


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2483
Prozessgegenstand: Supplicationis Auseinandersetzung um vorenthaltene Einkünfte
Alte Signatur: Wismar P 64 (W P 3 n. 64)
Laufzeit: (1644-1685) 16.07.1685; 02.10.1689-09.05.1693
Fallbeschreibung: Kl. haben Anspruch auf die Einkünfte von einigen Häusern in Wismar, die ihnen von Bekl. bestritten werden. Bekl. fordern stattdessen Schoß von den fraglichen, ehemaligen Bürgerhäusern mit normalen Steuerpflichten, den Kl. bisher nie bezahlen mußten. Da Kl. die Bezahlung verweigern, beschlagnahmen Bekl. die in der Akzisekammer angelegten Kapitalien der Kl. Diese bitten um ein Mandat an Bekl., ihre beschlagnahmten Gelder freizugeben. Die Reaktion des Tribunals erhellt nicht. Bis 1689 versucht das Tribunal erfolglos, einen Vergleich zu vermitteln, der von Bekl. blockiert wird. Am 02.10.1689 erbitten die Kl. daher ein Urteil des Tribunals in der Sache. Am 05.05.1690 urteilt das Tribunal, daß die Schoßerhebung von den Häusern durch die Bekl. rechtens sei, falls die Kl. nicht beweisen könnten, daß sie mehr als 30 Jahre keine Abgaben für diese Häuser bezahlt hätten. Bis zu einer endgültigen Entscheidung verbietet Tribunal den Bekl. die Beschlagnahme des den Kl.n zustehenden Geldes. Daraufhin legen Kl. am 15.06.1690 Beweise vor, auf die die Bekl. am 03.01.1691 ihre Erwiderung einbringen und auf ihrer Forderung nach Bezahlung des Schosses bestehen. Daraufhin schließt das Tribunal am 07.01. die Beweisaufnahme. Am 13.02. bitten Bekl. darum, eine am 05.02. eingegangene Stellungnahme der Bekl. nicht mehr zu berücksichtigen, das Tribunal verweist am 14.02.1691 auf den erfolgten Aktenschluß und verspricht am 06.05.1693 schleuniges Urteil, das jedoch nicht überliefert ist.
Prozessbeilagen: (7) Dekrete des Rates vom 09.05. und 01.07.1685; Vertrag über Verkauf eines Hauses durch Carl von der Hoyen und dessen Frau Wendelina Mumme an Pastor Johannes Dinggrave vom 09.12.1653; Kaufvertrag über ein Haus zwischen den Erben Jochim Schimmelmanns und der Witwe des Pastors Friedrich Frilius vom 17.06.1644
Instanzenzug: 1. Tribunal 1685-1693
Kläger: (2) sämtliche Prediger in Wismar
Beklagter: Bürgermeister und Rat zu Wismar
Anwälte: Bekl.: Dr. Schwarzkopf (A), Dr. Jacob Gerdes (P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2483


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2448
Prozessgegenstand: Citationis Auseinandersetzung um neue Dienste
Alte Signatur: Wismar P 41 (W P 3 n. 41)
Laufzeit: (1652-1669) 17.06.1669-21.09.1669
Fallbeschreibung: Kl. haben einen umfangreichen Beschwerdekatalog über Bekl. aufgestellt, in dem sie sich u.a. über neue, höhere Dienstforderungen, den überhöhten Unterhalt für Soldaten, das Tribunal und Konsistorium beschweren. Verschiedene Einzelkläger fügen gesonderte Beschwerden über gepfändetes Vieh und Strafzahlungen an, bitten das Tribunal, die Bekl. vor das Gericht zu zitieren und sie in ihren Rechten zu schützen. Das Tribunal beruft am 29.06.1669 die Assessoren Owstin und Engelbrecht zu Kommissaren in der Sache und beauftragt sie mit der Untersuchung. Diese wird am 15.09. vorgenommen, am 16.09. bitten Kl. um Verhör des Bauernmeisters Schwartz, am 21.09.1669 ergeht der Bericht der Kommissare an das Tribunal. Am 11.07.1671 tragen die Kl. erneut ihre Beschwerden vor, da sie nach wie vor zu ungewöhnlichen Diensten herangezogen werden. Da mehrere Hausleute ihre Stellen verlassen haben, verteilt der Bekl. jetzt die festen Steueranschläge auf die Verbliebenen, so daß sich deren Belastung erhöht. Kl. bitten, sie nicht über die Anschläge zu mecklenburgischer Zeit hinaus zu belasten. Das Tribunal fordert Bekl. am 11.07.1671 auf, sich binnen 6 Wochen zu den Vorwürfen zu äußern. Am 02.09. bestreitet Bekl. die Vorwürfe und bittet Tribunal zu klären, warum der Kommissionsbericht bisher nicht verhandelt worden ist. Das Tribunal teilt den Kl. das Schreiben am 28.10. mit, die am 10.10.1671, 05.02. und 10.04.1672 um ein Definivurteil bitten.
Prozessbeilagen: (7) Beschwerdekatalog der Poeler Bauern; Bericht der Assessoren Owstin und Engelbrecht über ihre Poeler Kommission vom 21.09.1669; Protokoll der Untersuchung vom 15.09.1669; Privilegien des Amtmanns Jochim Krolow für den Schneider Peter Blancke vom 26.03.1659, des Oberinspektors über Poel und Neukloster Heinrich Hertzog für den Zimmermann Dietrich Rammin und Claus Bauwert vom 24.04.1653 und 03.05.1652; Schreiben David Schmidts an den Oberschulzen Jochim Schwartz vom 14.06.1661; Übergabebescheid des Tribunalsmandates vom 11.07.1671 durch Tribunalsboten Jochim Krüger am 22.07.1671; Prozeßvollmacht der Kl. für Gottfried Christian Michaelis (o.D.); maschinenschriftl. Inhaltsangabe Anfang 20. Jh.
Instanzenzug: 1. Tribunal 1669-1672
Kläger: (2) sämtliche Hausleute auf Poel sowie Hans Evers und Clas Westing zu Niendorp, Hinrich Hünermörder, Jürgen Sprenger, Clas Bauwert, Peter Blanck und die Erben Dietrich Rammins
Beklagter: Georg Paul Hannolt, gräflich Steinbergscher Amtmann auf Poel sowie der Bauernmeister Jochim Schwartz
Anwälte: Kl.: Lic. Johann Thurmann (A & P), seit 11.07.1671 Gottfried Christian Michaelis (A & P) Bekl.: Dr. Henning Christoph Gerdes (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2448


OAI-PMH
   

Signatur: (1) 2387
Prozessgegenstand: Mandatum arrestatorium Auseinandersetzung um die Auslieferung entlaufener Untertanen
Alte Signatur: Wismar P 3 (W P 1 n. 3)
Laufzeit: (1654) 05.01.1655-20.01.1657
Fallbeschreibung: Anna und Jürgen Witte, Untertanen Plessens, sind während des Krieges in das Amt Neukloster entlaufen und ihm trotz Aufforderung an den Bekl. nicht zurückgegeben worden. Stattdessen ist Anna Witte durch den Neuklosteraner Pfarrer mit einem dortigen Knecht verheiratet worden. Kl. bittet darum, dem Bekl. bei 200 Rtlr Strafe zu befehlen, die Wittes sowie den Ehemann an ihn auszuliefern. Das Tribunal fordert Bekl. am 09.01. zur Auslieferung binnen 14 Tagen auf. Bekl. antwortet m 19.01., daß sich die Wittes bereits seit 8 Jahren im Amt Neukloster aufhalten, geschworen hätten, keine Leibeigenen zu sein, da ihr Vater vor mehr als 30 Jahren aus der Leibeigenschaft entlassen worden sei und bittet, falls Kl. die Leibeigenschaft der Wittes nachweisen könne, diese "gegen entgeldt loszugeben". Am 05.02. erneuert Kl. seine Bitte um Auslieferung der entlaufenen Untertanen. Das Tribunal fordert Bekl. am 08.02. zur abschließenden Erklärung auf. Am 14.03. beschwert sich Kl., daß Bekl. dem Mandat bisher nicht gefolgt sei und bittet, Bekl. bei 200 Rtlr Strafe zu befehlen, seine Leibeigenen an ihn auszuliefern. Das Tribunal fordert Bekl. am 17.03. erneut zur abschließenden Erklärung binnen 14 Tagen auf. Am 26.03. beschwert sich Kl., daß Bekl. die Wittes nicht ausgeliefert oder festgesetzt hat, sondern sie seinem Zugriff entkommen sind und fordert die Bestrafung des Bekl. Das Tribunal weist Bekl. am 27.03. bei Strafandrohung von 300 Rtlr an, die Flüchtigen zu finden und auszuliefern. Dieser weist die Schuld am 05.04. dem Amtsvogt zu und darauf hin, daß das Amt neuerdings an den Grafen von Dohna verpfändet worden sei, die Amtsträger entlassen wurden und er vom Grafen keine Befehle empfangen habe. Am 03.04. beschwert sich Kl. erneut darüber, daß Bekl. nicht auf das Mandat eingegangen sei und erbittet dessen Bestrafung. Das Tribunal teilt ihm am 06.04. den Schriftsatz des Bekl. mit. Am 12.05. beschwert sich Kl., daß Bekl. zweimal durch das Tribunal befohlen worden ist, die entflohenen Untertanen nicht entkommen zu lassen, weshalb er ihn für deren Flucht verantwortlich macht und Schadensersatz fordert. Das Tribunal fordert Bekl. am 16.05. zur Erwiderung auf, die am 26.05. eingeht und in der Bekl. jede Forderung an ihn zurückweist. Das Tribunal schließt die Beweisaufnahme am 01.06.1655 und lädt Parteien am 14.01.1656 auf den 21.01. zur Urteilsverkündung vor. Am 21.01. fordert das Tribunal von Bekl. seine Unschuld am Verschwinden der Leibeigenen zu beweisen. Am 16.04. rechtfertigt sich Bekl. erneut, daß er bei Erhalt der Mandate nicht im Amt gewesen sei und Kl. an die Besitzer des Amtes bzw. deren Bevollmächtigte verwiesen werden solle. Das Tribunal fordert Kl. am 23.04. zur Antwort auf. Am 19.05. bittet Kl. darum, Bekl. zur Stellung einer Kaution aufzufordern, da dieser die Herrschaft Wismar verlassen wolle und dort nicht mit Immobilienbesitz angesessen sei. Das Tribunal fordert Bekl. am 20.05. entsprechend auf. Am 21.06. erklärt Dr. Schabbel für Bekl., daß dieser nach Riga habe verreisen müssen und beweist anhand von Zeugenaussagen, daß Bekl. nicht für das Entweichen der Leibeigenen haftbar gemacht werden könne und bittet, ihn von der Klage zu entbinden. Das Tribunal fordert Kl. am 27.06. zur Erwiderung auf, am 18.07. setzt sich Magnus de la Gardie für Bekl. ein. Vor dem 01.09. wehrt sich Kl. dagegen, daß Bekl. Wismar verlassen hat, ohne die vom Tribunal geforderte Kaution zu stellen und erbittet Urteil gegen Bekl. Das Tribunal fordert Bekl. am 01.09. zur abschließenden Erklärung auf. Am 24.10. erbittet Kl. erneut Urteil, da Bekl. nicht geantwortet habe. Am 11.11. setzt das Tribunal Bekl. erneut 3wöchige Frist, vor dem 12.12. weist dieser erneut alle Forderungen des Kl.s zurück und legt weitere Beweise für seine Unschuld vor. Das Tribunal fordert Kl. am 12.12.1656 zur abschließenden Erwiderung auf, vor dem 20.01.1657 bittet dieser um Fristverlängerung, die er am 20.01.1657 erhält. Weiteres erhellt nicht.
Prozessbeilagen: (7) von Notar Jacob Colbow aufgenommenes Protokoll des Verhörs des Vaters, Chim Witte, des Bruders Hinrich Witte und Harm Siedemeyers vom 18.10.1654; von Notar Simon Stemwede protokollierte Aussage des Jürgen Witte vom 31.10.1654; von Notar Christoph Schantz protokollierte Aussage des Chim Witte vom 19.01.1655; von Notar Gottfried Reichardt ausgestellte Übergabequittungen für Tribunalsmandate vom 15. und 26.03., 04.04.1655; von Notar Gottfried Schantz aufgenommene Zeugenaussagen des Thomas Simonson vom 26.03.1655 und 13.06.1656; von Notar Jochim Stemwede aufgenommene Zeugenaussagen des Daniel Heister, früherer Schreiber des Kl.s (o.D.); Prozeßvollmacht des Bekl. für Dr. Schabbel vom 16.06.1656; von Tribunalspedell Christoph Havemann ausgestellte Übergabequittung für ein Tribunalsmandat vom 05.09.1656; von Notar Christoph Schantz gemachte Aussage über die Unterredung des geflohenen Leibeigenen mit dem Gouverneur von Wismar Ludwig Fritz vom 28.11.1656; Aussage des Johann Mylich vom 24.11.1656
Instanzenzug: 1. Tribunal 1655-1657
Kläger: (2) Oberst Helmuth von Plessen auf Cambs und Müsselmow
Beklagter: Heinrich Hertzog, Oberinspektor zu Neukloster
Anwälte: Kl.: Dr. Caspar Wilcken (A & P) Bekl.: Dr. Hinrich Schabbel (A & P)
Bestellnummer: Stadtarchiv Wismar (Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803) (1) 2387
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